Das Rätsel der späten Anerkennung in der Literatur Der Mythos des verkannten Genies gehört zu den langlebigsten Erzählungen der Literaturgeschichte. Er schildert den einsamen Autor, dessen Werk von der Gegenwart übersehen wird und erst nach dem Tod, gleichsam durch die gerechtere Urteilskraft späterer Generationen, zu seinem Rang gelangt. Diese Vorstellung besitzt eine romantische Anziehungskraft, verdeckt jedoch häufig die konkreten Bedingungen des literarischen Lebens. Bücher brauchen Verlage, Vertrieb, Besprechungen, Bibliotheken, Übersetzungen und Lehrpläne. Ein Text kann von hoher Qualität sein und dennoch kaum sichtbar werden, wenn sein Verlag verschwindet, seine Auflage klein bleibt oder die politischen Verhältnisse seine Verbreitung verhindern. Gerade …
Spätzünder der Literaturgeschichte: Warum manche Meisterwerke erst Generationen später glänzen
